Wie willst du wohnen?

Wir vom Popshop sind Wohn-Junkies. Wenn wir schlechte Laune haben, müssen wir nur in ein Einrichtungsheft reinschauen oder im Netz Bilder graugrün und graublau gestrichenen Holzverkleidungen vergleichen und schön schärft sich unsere Konzentration und wir gehen in eine andere Dimension. Manchmal geniere ich mich dafür. Ist das nicht oberflächlich? Wie kann der Anblick einer besonders schön geformten Vase einen solch starken Einfluss auf mein Wohlergehen haben? Wenn ich mich mit Wohnungsgrundrissen beschäftige oder mit der Suche nach dem perfekten Verschluss eines Oberschranks, dann bin ich ein ganzer Mensch.

Einrichtungsrausch

Aber ist es eigentlich so banal? Wer sagt, dass Musik so viel sinnlicher und inhaltsvoller ist als Einrichtung und Ästhetik? Musik gibt mir auch ein starkes Lebensgefühl. Aber, ich muss sagen, die Systeme der Musik, welche Töne wie wirken, sind mir relativ bewusst. Wenn ich eine Nummer mag, weiß ich, dass es genau diese oder jene Noten oder Sounds sind, auf die ich anspreche. Beim Wohnen spreche ich auch auf unterschiedliche Farben und Materialien an. Aber ich entdecke immer noch neue Vorlieben. Beziehungsweise ändert sich mein Geschmack mit dem Alter.

Was ich früher vermeintlich kitschig fand, finde ich heute himmlisch. Was ich früher mainstreamig fand, finde ich heute klassisch. Was ich früher cool fand, finde ich heute feig.

Ich arbeite Kapitel ab. Zum Beispiel Küchen, Arbeitsplatten, Tapeten und im Moment Farbanstriche für Holz. Und ich glaube, diese Liebe zum Heim und wie man es gestaltet, wird bis zu meinem Tod anhalten.

Mein derzeitiges Favorite:

holzanstrich

Wie willst du wohnen?

Um das herauszufinden muss man Kleinarbeit leisten. Seinen eigenen Geschmack testen, formen und herausfordern. Im ersten Moment findet man vielleicht weisse Küchen gut. Im zweiten geht es um kleine Details in weissen Küchen und im dritten wendet man sich nach langen Studien weisser Küchen von der weissen Küche ab und wünscht eine dunkelgraue Küche.

Ich habe immer gerne Holzarbeitsplatten in meinen Küchen gehabt. Jetzt träume ich von einer schwarzen oder grauen Marmorplatte.

Ich mag grau, weiss, schwarze Holzanstriche sehr gern. Aber ich will es mir nicht so einfach machen. Ein wenig mehr Farbe bitte! Sagte ich zu mir selber. Und wenn man Spreuseln einer Fenstertrennwand streicht, dann ist ein Grünton naheliegend, denn es geht bei gläsernen Fenstertrennwänden symbolisch immer um die Nähe zur Natur. Das Graugrün bringt eine Luftigkeit und was Positives in den Raum ohne aufdringlich zu sein. Hinten, die wunderschöne Jugendstil-Tapete, stammt von Morris und Co. Tapeten sind sowieso mein Ding derzeit und eigentlich eh schon lang. Morris und Co hat viele tolle Muster. Und Muster sind auch mein Ding. Viele verschiedene Muster mixen kann sehr schön sein, wenn man das kann. Zum Beispiel hier sieht das fantastisch aus:

muster

Was mich ganz wahnsinnig macht, weil mein Kopf sofort anfängt einzurichten, sind schöne leere Räume. Ich gehe auch gerne in alte Stiegenhäuser nur um unterschiedliche Hofanlagen oder Magazine anzusehen. Und ich bin täglich auf willhaben und schau mir Wohnungen an um hoffentlich über ein Foto wie dieses zu stolpern. Es ist eine zu vermietende Wohnung im vierten Bezirk und ich würde mich am Liebsten dort auf den Boden legen und die Stimmung einatmen. Oder mich auf die runde Sitzecke setzen und einen guten Whiskey trinken.

Stimmung

Ich habe viele Stunden damit verbracht schöne Dachfenster zu suchen. Wenn man am Dach wohnt – so meine Ansicht – braucht man Romantik. Eine Dachwohnung ohne romantischen Dach-Boheme-Flair ist nur eine gewöhnliche Wohnung mit schiefen Dach. Ich will den Himmel sehen, ich will den Überblick über die Stadt haben, aber mich doch in mein Dachnest verkriechen. Nicht, dass ich in einer Dachwohnung wohne, aber ich spüre schon recht präzise wie das wäre, weil ich schon so viel darüber nachgedacht habe. Ein Dachfenster braucht also Spreusel und eine Form, die sich in das Dach fügt. Und eine Dachwohnung braucht einen alten Holzboden. Keinen neuen Parkett. Und wenn es ein altes Dachlukenfenster hat, dann muss es erhalten bleiben. Meine Meinung Mitte 2017.

Man kann trotzdem smarte Technologien einbauen. Zum Beispiel gibt es die schwedische Erfindung, die ich vor einem Jahr in Schweden gesehen habe: Nämlich einen einfachen Druckknopf, mit dem man unterschiedlichste Dinge steuern kann – abhängig davon was man einprogrammiert, diese gibt es nun in Massenanfertigung bei Ikea. Zu jeder smarten Glühbirne bekommt man so einen Schalter. Wenn ich wieder eine Wohnung renovieren sollte, dann kauf ich nur solche Glühbirnen und diese Druckknöpfe. Ich werden gar keine Lichtschalter mehr verlegen und montieren!

schöne Dachfenster

Zum Thema: Die Natur möglichst ins Haus reinlassen. Das kann man unterschiedlich machen. Zum Beispiel so:

 

Diese moderne Version finde ich nicht so kuschelig. Und Natur und Kuschel sind zwei Pole die zusammengehören. Einerseits die raue, geheimnisvolle Weite und auf der anderen Seite die conconähnliche, geborgene Kuscheligheit. Dieser Raum mit den grünen Sofas hat eigentlich einen fantastischen Ausblick auf einen See und Berge. Aber es wirkt kahl draussen, und auch drinnen hat man das Gefühl der Kühlheit und des  Ausgesetztseins.

Hier ist eine andere moderne Version, die ich sehr viel ansprechender finde:

Hier hat man einen Blickausschnitt in zwei Richtungen und das Haus wirkt, als wäre es in die Natur hineingebaut. Gleichzeitig ist man links und rechts von den Fenstern geschützt und privat und kann es sich dort gemütlich machen.

Veranden sind natürlich auch sehr wichtig und eine schöne Veranda ist aus Holz. Ganz klar. Und gerne offen. Nicht verkniffen und verdeckt. Frei und doch privat. Diese Veranda hat sehr mutige Farben und ist trotzdem stilvoll. Knallrot mit Naturholz ist eine nette Kombi. Und dadurch dass die Holzsessel und die Tür auch rot sind, bekommt das Gesamtbild den Eindruck einer sorgfältigen Handhabe. Es ist nicht egal, was man wie anpinselt. Auch wenn die Töpfe ein wenig hippiesek sind und damit eine Freiheit in sich tragen, ist die Gesamtveranda doch mit deutlichem Geschmacksausdruck gestaltet.

Die meisten Bilder in der zweiten Hälfte des Beitrags stammen von einer meiner Lieblingsseiten cabin porn.

Und das bringt mich auf das vorletzte Foto dieses Beitrags. Dieser Holzanstrich in Kombination mit der starken Tapete ist eigenwillig und ungewöhnlich und wirkt trotzdem fast traditionell. Sehr spannend und sehr inspirierend. Man muss sich was trauen!

Und noch ein Weihnachtsfoto. Dieser Weihnachtsbaum ist ein „Vorweihnachtsbaum“ wie ihn manche Schwedinnen aufstellen. Er ist traditionell und sparsam geschmückt. Und macht sich genauso gut wie ein schwer behängter. Vor allem vor der schönen alten Tapete. Da braucht es nicht mehr so viel mehr Glitzer. Der liebe Baum stammt von der herzlichen und intelligenten Lebensstil-Bloggerin Underbara Clara.

Wie willst du wohnen ist eine Frage, die mit deiner Identität und deinem Lebensgefühl zusammenhängt und es ist etwas, was du an deine Kinder weitervererbst. Die Stimmung deiner Umgebung prägt dein Wochenende, deinen Abend, das Baden, das Kochen, das Diskutieren, die Versöhnungen. Und deine Träume.

Viel Spass beim Einrichten und bei euren Wintergemütlichkeitsausschmückungen des Heims!